Archive for the 'Reise' Category

Go! 4. Etappe

Donnerstag, Mai 18th, 2006

St. Goarshausen–Kestert

Der Fuß hält. Das merkwürdig reibende Gefühl an der Sehne ist praktisch weg, die Blasen zwicken nur noch ignorierbar. Immer wieder erstaunlich wie regenerations- und anpassungsfähig dieser Apparat Körper doch ist. Überhaupt fühle ich mich wieder fit und stark — also: alles richtig gemacht mit dem Ruhetag.

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Die (kurze) Etappe habe ich jetzt nach 3 Stunden gemütlicher Wanderei schon fast hinter mir, es ging recht unspektakulär durch Feld und Wald, vorbei an Burg Maus (das lausige Bild oben), wo grad eine Greifvogel-Flugschau geboten wurde. Als Zaungast von oben war ich offensichtlich unerwünscht, denn ich wurde unter dem Vorwand die Vogel zu stören deutlich weggebeten …. lmA! Natürlich blieb ich solange wie ich wollte. Im übrigen kam nach mir noch eine vielköpfige Gruppe … ;-))

St. Goar — Hotel “An der Fähre”

Donnerstag, Mai 18th, 2006

Das gelbe Haus direkt oberhalb der Rheinpromenade ist irgendwie ein Kleinod.. Kaum dass man eintritt bemerkt man, dass dies nicht nur ein Hotel ist sondern dass hier jemand lebt.

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Jemand die (nämlich Frau Spitzmüller) liest (viele dicke Bücher), die reist (Indien insbesondere, würde ich meinen: Buddha- und andere Figuren), die Rad fährt (steht schon mal dazwischen) und die viele schöne alte Möbel besitzt (worin, -rauf oder -neben sich alles andere findet.

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Hört sich wild an, fügt sich aber zu einer heiteren und zwanglosen Gemütlichkeit, die die alsbald erscheinende Wirtin verkörpert. Wem die Preise allzu niedrig erscheinen, wird kurzerhand nach oben geschickt, sich selber ein Bild zu machen.

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Mein Zimmer wirkt dagegen wie aus einem früheren Jahrhundert (dem 20.?) und kann da nicht ganz mithalten:

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Dafür ist das neue Bad immerhin direkt nebenan und ein Matisse hängt auch bei mir an der Wand …

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Und hallo!? Wir sind hier schließlich nicht im Ritz sondern dort, wo mit Natürlichkeit und Professionalität mancher kleine Wünsch unkompliziert erfüllt wird — und wenn dann mal die Fahrräder mangels Garage neben dem Antiquar stehen, dann stößt sich auch niemand daran.

Ach ja: das ganze ab 15 Euro pro Nacht incl. (!) Frühstück. Klang das jetzt wie Werbung? Soll es auch sein — manches muß man einfach unterstützen.

In der Woche ist meist etwas frei, für Wochenenden sollte man nachfragen:
Hotel “An der Fähre”
Burgunde Spitzmüller
Heerstr. 47 * St. Goar
Tel. 06741/980577

Abhängen in St. Goar

Mittwoch, Mai 17th, 2006

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Ship-Spotting geht auch mit einer Sigma, höhö (ein Insider!). Und hier ist echt was los — nicht nur die Japaner, die hier in geschlossenen Verbänden von den Dampfern quellen (um kurz danach wieder zurück zu quellen) — es gibt hier sogar einen (mehrere?) Schlepper, der besonders großen Frachtern um die engen Kurven hilft.

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Später hat mich meine nette Wirtin (hatte ich schon erwähnt, dass es im Hotel “An der Fähre” konkurrenzlos preiswerte Zimmer gibt? ;-) zu einem Abendspaziergang überredet, der über etliche Treppen zu obigem kleinen Wasserfall (sorry, für das nötige Verdrehen des Kopfes) und dann ein paar Schritte zurück und zur anderen Seite (Naturlehrpfad) weiter hoch auf einen wunderschönen Panoramaweg führt.

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Hoch über dem Ort vis a vis mit Burg Katz ist Gelegenheit, eine feine Romeo y Julieta zu paffen …

St. Goar, Spaziergang mit Frau H.

Mittwoch, Mai 17th, 2006

Meine Blasenbehandlung mit öffnen (ich weiß, das soll man nicht), Desinfektion (Betaisodona — das ist Schmerz, zum Glück nur kurz) und zupflastern hat seine Wirkung nicht verfehlt. Was aus dem Spann wird muß ich abwarten, ein wenig herumlatschen ist problemlos.

Zur Burg hinauf bin ich dann auch und zwar in Begleitung von Frau H. aus W., die ich beim Frühstück (incl.!) kennengelernt habe.

Frau H. ist “in der glücklichen Lage, ohne Arbeit leben zu können” und zu reisen natürlich — was sie rastlos vor Erlebenshunger tut seit ihr das Leben zwei deutliche Denkanstöße gab.

Nun scheint sie ihre Umwelt mit Denkanstößen zu versorgen, und da “keine Begegnung im Leben ohne Bedeutung ist” sondern immer “ein Hinweis auf eine Aufgabe” sei, die man im Leben zu meistern habe, wurde ich am Ende examiniert, was das Wichtigste gewesen sei, das sie mir gesagt habe …

Mit meiner Antwort zufrieden, begab sie sich mittags auf die Weiterfahrt, was mir nicht unangenehm war, denn so konnte ich mich meinen neuen Denkanstößen hingeben …

(Trotz der glossenartigen Schilderung ist Frau H. eine sympathische und interessante Gesellschaft. Ich wünsche alles Gute und hoffe, mich ebenfalls einmal in jener “glücklichen Lage” zu finden.)

3. Etappe

Dienstag, Mai 16th, 2006

Kaub–St.Goarshausen

Ein Stück des Weges hatte ich mir ja schon gestern abgenommen, so blieben 18 km und rund 600 Höhenmeter, denen ich am Morgen nach einer — immerhin — Teilregeneration recht entspannt entgegen sah.

Das erste Stück verläuft recht flach und lieblich durch Feld und Wiese; hier wurden Erinnerungen wach durch die unablässig singenden und aufsteigenden Lerchen, Erinnerungen an Ferien bei den Großeltern in der Eifel und morgendliche Spaziergänge mit dem Großvater und dem großen Hund.

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Der Roßstein markiert die Felsabbrüche zum Rhein und den Übergang zu lichtem Niederwald.

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Dieses Jahr gibt es hier eine extreme Raupenplage, manche Bäume sind wirklich vollständig kahlgefressen, viele stark geschädigt, überall hängen Raupen an seidenen Fäden um anscheinend nach einem Kahlfraß einen Standortwechsel vorzunehmen. Durch ein besonders betroffenes Stück bin ich mit einem großen Ast vor mir wedelnd gegangen — anders hätte ich ständig deren Fäden im Gesicht gehabt.

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Landschaftlich recht abwechlungsreich ging es auch durch lianenbewachsene Schluchten und natürlich dem Schaustück der Etappe — wohl des gesamten Rheinsteigs — entgegen: der Loreley und den Felsen davor (s.u.).

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Hier und da gab es noch manches seltenere Gewächs, wie das gezeigte Knabenkraut, zu bewundern.

Als Zwischenfazit würde ich sagen: ein Muss für den passionierten Wanderer (”vom Feinsten” meinte strahlend ein sauerländer Wanderfex, von dem ich mich mittlerweile fast verfolgt fühle — morgen hängt er mich ab :-( ), für mich ist es das nicht. Noch zu wenig bewegt das Relief (”vom Feinsten” wäre für mich eher im Val d’Annivier von 4000ern umringt zu sein) und die Deutschtümelei dieser zwar sehenswerten aber hoffnungslos provinziellen Käffer geht mir schon gegen den Strich.

Wobei das Provinzielle auch ganz putzig sein kann, wie dieses Hotel — davon morgen mehr.