Archive for Juni, 2006

Frühschicht

Donnerstag, Juni 29th, 2006

3:45 Uhr: brriiinnnng!
Ich rufe mir kurz ins Bewußtsein zurück, wer und wo ich bin und hechte zur Wohnungstür um den Türöffner zu betätigen. Geht natürlich nicht aufgrund der geltenden Sicherheitsdirektive der Hauseigner … also schnorre ich ein “ich komm runter” in die Gegensprechanlage. Irgendwo finde ich eine Hose und Sandalen und laufe runter. Unterwegs bemerke ich die fehlende Sehhilfe, doch die angelieferten Pakete lassen sich selbst mit -7,5 Dioptrien mühelos erkennen …

Trümmer von Paketen
Es handelt sich nicht um Teile für den abgebildeten “Wagen”! ;-)
Dieser eignet sich nur zufällig als Größenvergleich …

Nachdem die (nicht wirklich) überraschend leichten Trümmer im Hausflur stehen, frage ich mich, ob ich mich jetzt wieder ins Bett lege. Aber die Gelegenheit für eine “Frühschicht” ist günstig — M. (5) ist heute Nacht zu P. und mir gekommen, so daß ich 2 Türen zwischen uns bringen kann, um sie nicht zu stören. Also widme ich mich der dringend erforderlichen erweiterten Körperpflege (raduma — rasieren, duschen, maniküren), dem Zustand des Bads (putzen), einem leckeren Milchkaffee und dem schon fast vernachlässigten blog. Um kurz vor fünf beginnen die Vögel ihr Konzert und nehmen mir das leichte Gefühl einer gewissen Surrealität …

Ach ja: wozu ist das ganze gut? Nun, unser Auto hatte in letzter Zeit deutlich unter unseren Parkkünsten gelitten (Nippeser Parkplätze sind gefährlich! :-( ) und braucht nun dringend ein Lifting. Da die Familenkutsche letztens noch von einem Baufahrzeug geknutscht wurde und dafür hier nun ein hübscher kleiner Scheck liegt, gibt es also ein Sonderbudget für die Schönheits-OP.

vorn: kapott

hinten links: kapott

Da man ja über eb*y bekanntlich manches recht preiswert bekommt (leider nicht immer!), hatte ich also nach einem kleinen Preisvergleich Stoßstangen (vorn und hinten zerdetscht), Scheinwerfer (r + l blind) und Blinker (vl, Glas zerlegt) bestellt für zusammen schlappe 250 €. Bei F*rd kassiert man für die grundierten Stoßstangen allein schon fast das doppelte, in einer kleinen Werkstatt bekommt man für ebenfalls etwa 500 € noch den Einbau dazu.

Gegen sechs mache ich mich daran die Teile aus ihrer Verpackung aus Luft und Karton zu befreien und ernte dabei von anderen Frühaufstehern im Haus spöttische Kommentare (”Baust du dir dein Auto jetzt selber zusammen … ?”). Die Kartons wandern ordnungsgemäß in einen dafür vorgesehenen Sammelbehälter — wobei man eher sagen muß “an”, denn sie ragen wie zwei Flügel links und rechts aus den Einwurföffnungen. Schließlich bekomme ich die Ersatzteile und mein Fahrrad (Weg von der Werkstatt zur Arbeit) gerade so in das Auto. Anschließend geht’s noch ausnahmsweise zum Bäcker (sonst nur am WE) und an die Spüle.

Als ich P. so gegen halb acht mit einer Tasse Milchkaffee wecke und ihr erzähle, was ich heute morgen schon gemacht habe, schaut sie mich aus großen ungläubigen Augen an und sagt: “Das ist doch jetzt nicht dein Ernst!?” <:-))

Heute Abend oder morgen dann: Familienkutsche — Reloaded
und die Antwort darauf, ob sich das ganze lohnt.

Autostadt

Montag, Juni 19th, 2006

War ein paar Tage in Wolfsburg. Schwiegereltern mit der ganzen Bagage besuchen. Mußte auch mal wieder sein. Zwischen Fußball gucken, Schokotorte essen und Likör kippen habe ich mich am Samstag für ein paar Stunden ausgeklinkt. Durch das “Centrum” gelatscht und überhaupt nicht zum kaufen animiert worden — eher zum fotografieren. (Gibt aber auch bessere Ecken.)

IMG06353_Hertie_ks450.jpg

Hier klicken, um zur Wolfsburg-Galerie zu kommen

Ich hatte eigentlich vor gehabt, mit dem Bus zurück nach Detmerode fahren. Hatte aber keine Lust. Lieber die 4 km zu Fuß und noch etwas Familienabstinenz genießen.

Also los. Weg von der Straße. Durch Park. Durch Wald. Immer der Nase nach. Nach einer Weile frage ich eine junge Frau an einem gerade stattfindenden Kindergarten-Flohmarkt nach dem rechten Weg. Sie schaut mich verdattert an: “Nach Detmerode? zu Fuß !!??” Der junge Mann an ihrer Seite trägt eine Jacke mit der Aufschrift “Rettungsdienst”. Er mustert mich kritisch von Kopf bis Fuß und überlegt vermutlich, ob ich ein Fall für das nächste Landeskrankenhaus bin.

Ich insistiere. Sie meint, dort die Straße lang bis zur Kreuzung und dann links immer weiter … Ich sehe ein, dass es absurd ist, in Wolfsburg — die Stadt des VW-Werks — eine sinnvolle Wegbeschreibung für Fußgänger zu erhalten, die für eine weitere Strecke als bis zum nächsten Autoparkplatz taugt.

Also stapfe ich weiter. Kurzerhand befrage ich meinen Handgelenkskompass (in die Uhr integriert) und schlage mich durch eine Wohnsiedlung und wieder in den Wald. Herrlicher Wald. Die Vögel zwitschern. Ich bin völlig allein. Nur von ferne das ewige Rauschen schneller Autos auf gut ausgebauten Straßen.

Ich erreiche eine weitere Siedlung. Pi mal Kompass müßte ich mich ungefähr weiter in die gleiche Richtung halten, die Anlage des Straßen- und assozierten Wegenetzes verhindert dies aber rechtwinklig. Ein langsam herannahender älterer Herr auf einem Fahrrad (!) gibt mir Gelegenheit zu einer erneuten Kontaktaufnahme zur ansässigen Bevölkerung. “Nache Detemerrrrode?” wiederholt der alte Italiener nachdem er sein Hörgerät aktiviert hat. Offensichtlich gehört er zu den wenigen, die noch in der Lage sind, sich jenseits der Straßen fortzubewegen und gibt mir eine gebrochene aber detailreiche Beschreibung meines weiteren Weges. Ich frage nach und er beschließt kurzerhand, mich zur nächsten Kreuzung zu begleiten.

Er sei Norditaliener, informiert mich mein Begleiter. Kein Süditaliener. Die seien anders. Der Mann geht zur Arbeit. Die Frau bleibt zu hause. Der Mann geht einkaufen. Die Frau bleibt zu hause. Die Frau bleibt immer zu hause. Er sei aber Norditaliener. Aha. Ich beschließe mir das zu merken obwohl ich zur Zeit nicht beabsichtige, Frau eines Süditalieners zu werden …

Dort hätte er sein Appartamento, wobei er auf eines der immer gleichen 60er-Jahre Flachdach-Häuser zeigt. Aha. Jetzt an der Kreuzung ist der weitere Weg klar, vorbei am Schießstand und dann möglichst bleifrei in den Wald. Das deckt sich mit meiner Orientierung. Dann solle ich immer dem “breiten Weg” folgen um zu einer Brücke zu gelangen. Leider bin ich dann entweder nicht in der Lage zwei quasi gleichbreite Wege auf den Zentimeter genau zu schätzen oder mein italienischer Wegweiser ist als Wolfsburger genauso unzurechnungsfähig wie ich — wer fährt denn schon Fahrrad wenn er genauso gut mit einem VW fahren könnte?

DSCN0141_blog450.jpg

Nach einem kleinen Umweg gelange ich doch noch zu der Brücke über eine autobahnartige Straße und finde mich anschließend in Detmerode. Aufgrund der überall gleichen Bebauung irre ich noch ein wenig durch Gassen und kurvenreiche Straßen um schließlich an der letzten 4-spurigen Manifestation der geschriebenen Ankündigung (s. Foto) anzukommen, wo auch meine Ortskenntnis wieder spontan einsetzt um mich zu meinem Ziel zu geleiten.

Gute Fahrt!

Summer in the city

Mittwoch, Juni 14th, 2006

… zumindest gestern noch. Die Poller Wiesen auf der “schäl Sick” (rechtsrheinisches Köln) gehören zu den nicht wegzudenkenden Grünflächen. Egal ob Open-Air-Konzert, Papstbesuch, Drachen steigen lassen oder einfach nur am plätschernden Rhein gepflegt mit Grill und Kölsch abhängen (Weizen geht aber im Sommer auch, der Kölner ist da tolerant) — hier ist immer etwas los.

Poller Wiesen

Hier klicken, um zur Poller Wiesen-Galerie zu kommen

Erreichbar sind die Poller Wiesen z.B. über die Drehbrücke am Deutzer Hafen — die Brücke und ein paar andere Impressionen könnt ihr euch mit einem Klick auf das Bild ansehen. Letzteres wird jetzt wohl meist so sein.

Kleine Restrukturierung

Mittwoch, Juni 14th, 2006

Meine Domain ej64.de ist in der Vergangenheit etwas in verschiedene Teile auseinandergefallen. Neben dem asbach-uralten Teil gibt es zwei verschiedene Photo-Galerien und dieses blog. Immerhin habe ich es jetzt geschafft, ein Navigations-Frame drüber zu stülpen, so dass man bequem von einem Teil zum anderen wechseln kann. Noch nicht so der wahre Jakob, aber ein Anfang …

Wer also ein Lesezeichen gesetzt hat, dieses jetzt am besten auf die Adresse http://ej64.de ändern. Einfach mal drauf klicken und zu den Lesezeichen bzw. Favoriten hinzufügen!

Scheiß-Tag — 666, the number of the beast?

Dienstag, Juni 6th, 2006

Nichts wirklich gravierendes, nur dass die Toilette verstopft ist. Aber sowas kann Kreise ziehen.

M. (5) hat kein Bock auf eine provisorische Lösung und verkneift sich sein Geschäft, wie lange wohl noch? Jedenfalls macht er Stress. Ich habe leichtes Halsweh und fühle mich etwas verkatert (ganz ohne Alk am Vorabend). Die schon angeschnittene Paprika, die M. gerne in Streifen geschnitten als Teil seines zweiten Frühstücks mit in den Kindergarten nimmt, kommt noch verschrumpelter als ich aus dem Kühlschrank. Alternativ-Vorschläge werden zum größeren Teil abgelehnt. P. steht auf und muß auf Toilette. M. macht Stress, weil er aus bestimmten, nur ihm zugänglichen Gründen etwas gegen die improvisierte Lösung hat. Langsam bekomme ich zu meinem leichten Halsweh auch einen dicken Hals. Ich mampfe meinen Toast und nörgel P. wegen einer Lappalie an. Dann gehe ich zu Arbeit …

Sorry, P.

P. ruft an. Der Klempner hat das Klo auseinandergebaut. Ohne vorher was abzupumpen. Großartig, ich liebe solche Handwerker }:-(
Diagnose ist Versteinung (starke Kalkablagerungen) und zusätzlich eine Verstopfung. Ich bin jedenfalls froh, im Büro zu sitzen. Eigentlich hätte ich heute meinen freien Abend, an dem ich so ziemlich machen kann was ich will — meist gehe ich klettern. Heute werde ich mich wohl an der Wiederinstandsetzung beteiligen müssen. Scheiße.

Dienstag, 6.6.6. Kann nach dem Datum ja nur einmal in tausend Jahren passieren. Ich hoffe, das war’s denn auch für uns. Nase zu und durch…