Blitzdiffusor selbst gebaut, Version 1.1
Montag, Februar 12th, 2007Fotografieren funktioniert ja bekanntlich mit Licht. Und je besser das Licht ist, desto besser können auch die Fotos werden. “Besser” betrifft aber nicht nur die Quantität des Lichts sondern auch seine Qualität. Also die Richtung und Verteilung des Lichts, seine Lichtfarbe und manches andere mehr.
Besondere Schwierigkeiten, eine natürliche und “schöne” Ausleuchtung zu erreichen, bekommt man bei Aufnahmen, die zusätzliches Blitzlicht erfordern. Sei es im Innenraum oder draußen bspw. in Gegenlichtsituationen.
Hier einfach mit dem Blitz draufzuhalten, produziert ziemlich unschöne, flache — “totgeblitzte” — Aufnahmen mit heftigen Schlagschatten. Insbesondere bei Portraits erhält man so Bilder, die man mit einer 08/15-Knipse kaum schlechter machen kann.

Frontal angeblitzt: “totgeblitzt”
Wer einen externen Blitz hat, der per Blitzschuh aufsteckbar ist, kann schon zu besseren Ergebnissen kommen durch das indirekte Blitzen an die Decke oder eine Seitenwand, vorausgesetzt diese ist nicht zu weit entfernt und nicht zu stark gefärbt.

Über die Decke indirekt geblitzt (gebounced)
Oft kann man noch einen kleinen Reflektor ausklappen, der einen Teil des Lichts dabei direkt nach vorn reflektiert um nicht nur Oberlicht zu haben (wer keinen Reflektor hat, befestigt einfach eine Visitenkarte o.ä. mittels eines Gummis am Blitz). Das ist in normalen Wohnräumen schon eine ganz praktikable Lösung, funktioniert aber draußen oder in großen Räumen nicht mehr so gut. Auch Holz- oder farbig abgetönte Decken sind ein Graus beim indirekten Blitzen.
Stellt man höhere Anforderungen an die Qualität des Blitzlichts ist eine Blitzanlage natürlich der Königsweg, auch große Reflektoren werden gerne eingesetzt. Beides hat aber — abgesehen von den Kosten — den Nachteil, dass man einiges an Zusatzgerät oder Helfer benötigt — insbesondere außerhalb einer Studioumgebung ist das nur im professionellen oder hochambitionierten Amateurbereich möglich und üblich.
Als Zwischenweg bieten sich sogenannte Blitzdiffusoren an: kleine und leichte Kunststoffaufsätze, die das Blitzlicht deutlich weicher verteilen und für eine natürlichere Ausleuchtung sorgen und sich in jeder (nicht ganz kleinen) Fototasche unterbringen lassen. Hier gibt es relativ einfache und billige Lösungen, die weniger effektiv sind und solche, die im Grunde für ein Stück Kunststoff schon horrend teuer sind.
Zur letzteren Kategorie gehört Gary Fongs Lightsphere II, das ich letztens in Aktion gesehen habe und von dessen Ergebnisse ich schon recht angetan war. Mittlerweile gibt es auch einen deutschen Vertrieb beim Photoproshop. Das Ding ist aber mit 54 Euro (plus Versand für das Basismodell) nicht eben billig für so einen “Joghurtbecher”, aber m.M. trotzdem eine Empfehlung wert da es kaum etwas Vergleichbares gibt.
Da ich ja bekennender Bastler bin, hab ich mich mal umgeschaut, ob ich nicht etwas brauchbares als Ausgangsmaterial finde um mir diese Euros zu sparen. In M.s Spielzeugchaos fiel mir dann auch direkt ein Kunststoffbecher ins Auge, den man im kölner Legoladen (Hohe Straße, bisher der einzige in Deutschland) zur individuellen Steinsortierung bekommt. Nach kurzer Verhandlung habe ich dann mit M. ein Tauschgeschäft abgeschlossen.
So ganz optimal ist der Becher nicht, er hat einen nach oben (innen) aufgewölbten Boden (ähnlich wie bei Weinflaschen, nur eckiger) und das Material ist sehr spröde. Bearbeitungsversuche mit Messer oder Bohrer führten zum Ausreißen des Materials. Meine bessere Hälfte warf irgendwann beiläufig “schmelzen!” ein, was dann auch die Lösung war …

Mein Lego-Blitzdiffusor mit Lavazza-Deckel und Papp-Alufolien-Reflektor in lausiger Verarbeitungsqualität
Also habe ich mir dann meinen ausgedienten Lötkolben mit der eh’ schon verbratenen Spitze geschnappt und unter Aufbietung meiner persönlichen Gesundheit (Dämpfe! Zur Nachahmung nur im Freien empfohlen) ein passendes Loch zurechtgeschmolzen. Der zugehörige Deckel ist bisher leider verschollen, so dass ich z.Z. einen einigermaßen passenden Dechel einer Espresso-Dose verwende. Den habe ich innen mit einem Alufolienbeschichteten Pappkonus versehen für die geschlossene Anwendung. Wobei das noch überarbeitet werden muß.

Selbstbau Blitz-Diffusor an der Kamera
Und hat sich die Bastelei gelohnt? Ich denke schon. In normalen Räumen erhält man mit dem Blitzdiffusor ohne Deckel (oben offen) ein sehr natürliches Licht.

Blitzdiffusor oben offen, viel indirektes Licht über die Decke
Dagegen reflektiert der Deckel, den ich bebastelt habe, noch zuviel Licht nach unten. Hier werde ich noch an Modifizierungen (halb offen oder andere Form des Deckelreflektors) arbeiten. Im Nahbereich macht der Diffusor mit Deckel doch zuviel direktes Licht, bei Außenaufnahmen kann das aber vorteilhaft sein:

Blitzdiffusor oben geschlossen mit Reflektor-Deckel
Zum Vergleich nochmal obiges Krippen-Motiv mit Diffusor:

Blitzdiffusor oben offen

Blitzdiffusor oben geschlossen mit Reflektor-Deckel
Da der rückwärtige Lichtanteil ja irgendwie Verschwendung ist, habe ich schließlich das hintere Drittel des Bechers noch von innen mit Alufolie ausgekleidet. Das ist der momentane Stand und das Ding bekommt auf jeden Fall schon mal einen Dauerplatz in meiner Fototasche.

Blitzdiffusor, offen mit Innenreflektor.
Wer das so oder ähnlich nachbauen will, findet sicher auch andere geeignete Becher. Angeblich soll es in Asia-Läden solche transparenten Becher (mit Nudeln o.ä.) geben, die auch sehr gut geeignet sind. Ich bin jedenfalls erstmal sehr zufrieden mit meinem halbtransparenten Modell. Bei erheblichen Verbesserungen werde ich das Thema wieder aufgreifen.
